Alter Domfriedhof St. Hedwig (Mitte)
Adresse:
Liesenstraße 8
10115 Berlin-Mitte
Verkehrsanbindung:
U6 bis Schwartzkopffstraße oder Reinickendorfer Straße
Orientierungsplan des Friedhofs
Der Friedhof
Der älteste bestehende katholische Friedhof Berlins ist als solcher von besonderer nationaler kultureller Bedeutung anerkannt.
Unweit des Erbbegräbnisses des weltbekannten Hoteliers Lorenz Adlon (1849-1921) - hier ist auch der Filmemacher Percy Adlon (1935-2024) beigesetzt - liegt das des Unternehmerkollegen James Cloppenburg (1877-1926), der das gleichnamige Modeimperium begründete. Der Maler Carl Joseph Begas (1794-1854) fand hier ebenso seine letzte Ruhestätte wie ein Sohn Franz Liszts (Daniel), Beethovens erste Leonore (Fidelio), Anna Milder-Hauptmann (1785-1838), der Theologe Carl Sonnenschein (1876–1929) oder der Unternehmer Peter Dussmann (1938 -2013).
Viele Grabmale fielen dem Mauerbau zum Opfer: Über den Alten Domfriedhof der St. Hedwigs-Gemeinde lief der Todesstreifen, von dem noch Reste der Mauer zeugen. Der Friedhof selbst lag im Grenzgebiet.
Auf dem Friedhof fanden und finden aber auch viele Menschen ihre letzte Ruhestätte, als "ordnungsbehördliche Bestattungen", wenn keine Angehörigen vorhanden oder zu ermitteln sind, keine Vorsorge getroffen wurde oder kein anderer für die Bestattung sorgt.
Wenn schon kein Grabstein, dann doch wenigstens ein Namensschild mit den Lebensdaten findet sich an jedem Urnenplatz: "Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen" (Jesaja 43,1 ).
Grabarten
Wahlgrabstätten
Wahlgrabstätten werden für die Dauer des Nutzungsrechts überlassen. Sie können ausgesucht und reserviert werden. Mehrere zusammenhängende Grabbreiten können als eine Grabstätte überlassen werden. In Wahlgrabstätten für Erdbestattungen können bis zu vier Urnen pro Grabbreite zusätzlich zu einem Sarg bei gesetzt werden. Wahlgrabstätten für Urnenbestattungen können mehr als eine Urne auf einer Grabbreite aufnehmen. Wahlgräber können auch Familiengrabstätten sein, in denen mehrere Generationen einer Familie die letzte Ruhe finden.
Reihengrabstätten
Reihengrabstätten werden nur der Reihe nach belegt und für die Dauer des Ruherechts überlassen. Eine Verlängerung des Nutzungsrechts ist ausgeschlossen. In Reihengrabstätten dürfen pro Grabbreite nur ein Sarg oder eine Urne beigesetzt werden, sie können aber auch als Partnergräber erworben werden. Sie unterscheiden sich bei der Pflege als Stellen zur individuellen Gestaltung und Pflege oder Stellen mit Gestaltung, Instandhaltung und Pflege durch den Friedhof.
Anonyme Grabstätten
Anonyme Bestattungen sind auf den Hedwig-Friedhöfen nicht zulässig. Um dem Gedenken der einzelnen Verstorbenen besonderen Ausdruck zu verleihen, wird jede Bestattung daher nur mit konkreter Namensnennung vorgenommen.
Geschichtliches
Der Alte Domfriedhof St. Hedwig wurde 1834 als Friedhof der St.-Hedwigs-Gemeinde geweiht. Er ergänzte den ersten, nach der Reformation im Jahre 1777 an der Hannoverschen/ Ecke Chausseestraße in Berlin-Mitte vor dem Oranienburger Tor angelegten katholischen Friedhof. Dieser war jedoch bereits 1853 aus sanitätspolizeilichen Gründen wieder geschlossen worden, auch wenn noch bis 1878 einzelne Bestattungen erfolgten.
1998 - vor der Überbauung mit der Katholischen Akademie - erfolgten auf diesem alten Friedhofsgelände Abräumung und archäologische Grabungen.
Damit ist der Friedhof in der Liesenstraße heute der älteste bestehende katholische Friedhof Berlins.
Er grenzt im Westen an den Französisch-Reformierten Friedhof und im Osten an die Nordbahn. 1833 wurde das Gelände umzäunt und ein Totengräberhaus sowie ein Schuppen erbaut. 1842 kaufte die St. Hedwigs-Gemeinde vom Gastwirt Liesen zwei weitere Grundstücke hinzu, um die Belegungsfläche zu vergrößern, die nunmehr etwas mehr als zwei Hektar betrug.
1849 wurden 429 und 1866 nochmals 1111 Opfer einer Choleraepidemie in Berlin begraben.
Die Friedhofskapelle St. Annen wurde 1866/ 67 nach Vorbild italienischer Renaissancebauten mit Terrakottaformsteinen und einem Kupferdach errichtet. Nachdem sie wegen Baufälligkeit mehrere Jahrzehnte nicht mehr benutzbar war, wurde sie 1987 originalgetreu wieder aufgebaut.
Auf der östlichen Seite der Kapelle befindet sich die Grabstätte der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Karl Borromäus, auf der westlichen die der Schwestern des St.-Hedwigs-Krankenhauses, die beide mit einfachen Marmortafeln bedeckt sind. Ohne Namen liegt hier außerdem die Grabstätte der Schwestern von der Heiligen Elisabeth.
Infolge des Baus der Berliner Mauer auf dem Friedhofsbereich direkt an der Liesenstraße und des einhergehenden Flächenverlustes empfangen die Besucher erst 40 Meter hinter dem Eingang Liesenstraße zwei kniende Marmor-Engel aus der Hand Josef Limburgs (1874–1955).
Durch Einebnung dieses Mauerstreifens nach 1961 sowie den Bau der zweiten Mauer 1967 gingen der Haupteingang des Friedhofs, einschließlich Klinkermauern, schmiedeeiserne Gitter sowie eine Reihe von architektonisch und historisch bedeutsamer Grabstätten und Erbbegräbnisse verloren, an die heute ein Gedenkstein auf der freien Rasenfläche sowie ein erhaltener Mauerrest auf dem Friedhof erinnern. Weitere Abräumungen von Grabstellen fanden 1984/85 im Zuge der Verbreiterung des Grenzstreifens statt.
Die originalgetreue Wiederherstellung des Haupteingangs und der alten Friedhofsmauer bis zur Liesenbrücke konnte erst 2023 abgeschlossen werden.
Seither dokumentiert eine umfangreich recherchierte und bebilderte Dauerausstellung auf dem Friedhof in der Nähe der Liesenbrücken die Geschichte und das Schicksal der Friedhöfe an der Liesenstraße während der Zeit der Berliner Teilung.