Der Friedhof
Um die notwendigen Begräbnisplätze für den wachsenden katholischen Bevölkerungsanteil in Berlin anzulegen, entstand der dritte katholische Friedhof. Die 2,7 ha große Anlage mit dem Zugang von der Wörtstraße 15, ab dem Jahr 1951 dann Smetanastraße 36, südlich des Weißenseer Dorfkerns gelegen, wurde 1876 geweiht. Der St.-Hedwig-Friedhof grenzt an den 1880 eröffneten und weltberühmten Friedhof der Jüdischen Gemeinde. Das dreigeteilte Eingangsportal und die Kapelle in einheitlichem neugotischem Stil sind nach Entwürfen des katho lischen Kirchenbaumeisters Max Hasak 1856 1934 entstanden. Der einheitliche Stil in feingliedrigen neogotischen Formen und das warme Klinkermauerwerk mit grün und weiß glasierten Kopfseiten prägen den ersten Eindruck schon von der Straße her.
Geschichtliches
Die Geschichte des Friedhofs begann am 7. August 1876 mit der Beerdigung der einjährigen Anna Jagusik.
An der Hauptallee findet man den ältesten erhaltenen Grabstein – das neugotisch gestaltete Marmor-Monument für Franciscus Przyniczynski (1844 – 1896), Curatus in Weißensee.
An der Friedhofsmauer befindet sich noch das als schwarze Granitwand gestaltete Begräbnis des Fabrikbesitzers Max Steinke (1872 – 1925), nach dem auch eine Weißenseer Straße benannt worden ist.
Im Eingangsbereich des Friedhofs ist die Grabstelle (Feld H 5-10) des bekannten Berliner Drehorgelbauers Giovanni Bacigalupo (1889 – 1978). Von ihm wurden fast 90 Prozent aller Berliner Drehorgeln hergestellt.
Auf dem Friedhof ruht auch der Polizeikommissar Paul Anlauf, der 1931 von dem späteren Minister für Staatssicherheit der DDR, Erich Mielke, erschossen worden war. Der Weißenseer St. Hedwig-Friedhof erlangte Bekanntheit und wurde im Laufe der Zeit auch zur Begräbnisstätte für die Katholischen Kirchen Herz Jesu, Heilige Familie, St. Clemens, St. Augustinus, St. Josef, St. Agnes, St. Bonifatius, St. Maria Viktoria, St. Ansgar, St. Rita sowie die katholischen Gemeinden von Pankow, Reinickendorf, Tegel, Hermsdorf und Wittenau.
Durch die besondere Art – »klein, gemütlich, familiär« – wird der Friedhof ebenso von Menschen nicht katholischen Glaubens in Anspruch genommen.